Wer eine Vorladung der Polizei in der Hand hält, googelt heute nicht mehr. Er fragt ChatGPT. Und das ist, vorsichtig formuliert, eine schlechte Idee – nicht wegen der juristischen Qualität der Antwort, sondern wegen dem, was mit der Frage passiert.
Was beim Allzweck-Chatbot mit Ihrer Frage geschieht
Wenn Sie ChatGPT, Claude oder Gemini schreiben “Ich bin am Dienstag bei der Polizei vorgeladen, es geht um den 14. März, ich war da auf dem Parkplatz vom Kaufland”, dann passiert Folgendes:
- Die Eingabe wird auf Servern in den USA verarbeitet.
- Sie wird – in der Standardkonfiguration der meisten Anbieter – gespeichert und kann zur Verbesserung des Modells verwendet werden.
- Sie ist im Grundsatz für Mitarbeiter des Anbieters einsehbar (etwa für Sicherheits- oder Missbrauchsprüfung).
- Sie ist im deutschen Strafverfahren grundsätzlich beweisverwertbar – weder der Anbieter noch das Gerät schützen Sie davor.
Das ist kein Vorwurf an OpenAI oder Anthropic. Es ist schlicht der Mechanismus, mit dem diese Produkte funktionieren. Niemand hat versprochen, dass der Chat ein geschützter Raum ist.
Was bei einem Anwalt anders ist
Sobald Sie einem Rechtsanwalt etwas mitteilen, gilt:
- § 43a Abs. 2 BRAO – der Anwalt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet.
- § 203 Abs. 1 Nr. 3 StGB – der Bruch dieser Pflicht ist strafbar.
- § 53 Abs. 1 Nr. 3 StPO – der Anwalt darf vor Gericht nicht über das aussagen, was Sie ihm anvertraut haben.
- § 97 StPO – die Akten und Aufzeichnungen des Anwalts dürfen grundsätzlich nicht beschlagnahmt werden.
Das ist kein Marketing. Das sind die vier tragenden Säulen des Anwaltsgeheimnisses – und sie unterscheiden eine anwaltlich geführte KI von einem Allzweck-Chatbot fundamental.
Wie Brave Little Attorney das löst
Brave Little Attorney wird von Hucke & Sanker betrieben, einer in Köln und Brighton zugelassenen Kanzlei. Das hat zwei praktische Konsequenzen:
Im freien Chat läuft der Dienst unter anwaltlicher Aufsicht. Ihre Anfragen werden nicht zum Modelltraining bei Drittanbietern verwendet. Die Verarbeitung erfolgt in Deutschland, datensparsam, anonymisiert wo möglich, gehasht wo nicht.
Sobald Sie einen Service wie die Akteneinsicht für 89 € auslösen, entsteht ein vollwertiges Mandatsverhältnis. Ab diesem Moment greifen die §§ 43a BRAO, 203 StGB, 53 StPO und 97 StPO im vollen Umfang.
Was das praktisch heißt
Wenn Sie ChatGPT fragen “Soll ich bei der Polizei aussagen?”, bekommen Sie eine vernünftig klingende, aber generische Antwort – und Ihre Eingabe liegt auf einem Server, auf den Sie keinen Zugriff haben.
Wenn Sie BLA fragen, bekommen Sie eine auf 18 Jahre Strafverteidigungspraxis trainierte Antwort – und Ihre Anfrage steht unter dem Schutz, den das deutsche Recht für die Kommunikation mit einem Anwalt vorsieht.
Der Unterschied ist nicht akademisch. Er entscheidet im Zweifel darüber, ob Ihre eigene Frage später als Beweismittel gegen Sie verwendet werden kann.
Was Sie tun können
- Bei laufendem Ermittlungsverfahren: keine Details in Allzweck-Chatbots eingeben. Wirklich keine.
- Wenn Sie eine erste Einschätzung brauchen: BLA über WhatsApp ist kostenlos und anonym.
- Wenn Sie wissen wollen, was die Behörden tatsächlich gegen Sie haben: Akteneinsicht für 89 € pauschal.
Recht ist unter anderem deshalb teuer, weil es kompliziert ist. Aber Datenschutz ist nicht kompliziert. Er ist eine Frage der Wahl des richtigen Werkzeugs.