Wenn man Menschen erklärt, was Brave Little Attorney technisch ist, kommt fast immer dieselbe Rückfrage: “Aber das ist doch im Grunde ChatGPT, oder?”
Nein, ist es nicht. Und der Unterschied ist nicht nur ein bisschen Feinjustierung. Er liegt in dem, was die KI gelesen hat, bevor sie Ihnen antwortet.
Was Allzweck-LLMs gelesen haben
Die großen Sprachmodelle – GPT-4, Claude, Gemini – sind auf einem Korpus trainiert, der grob aus drei Quellen besteht:
- dem öffentlichen Internet (Wikipedia, Foren, Pressemitteilungen, Blogs)
- digitalisierten Büchern (oft mit ungeklärter Rechtslage)
- Code-Repositories (für die Programmierfähigkeiten)
Für deutsches Strafrecht heißt das konkret: Das Modell hat den Wortlaut von StGB und StPO gesehen, es hat Wikipedia-Artikel zu prominenten Urteilen gesehen, vermutlich ein paar Lehrbuchausschnitte, ein paar Anwaltsblogs. Das ist nicht nichts – aber es ist Stoff für eine zwischenprüfungsreife Antwort, nicht für eine verteidigungstaugliche Einschätzung.
Was bei BLA dazukommt
Brave Little Attorney ist mit einem zusätzlichen Korpus angereichert, der über 18 Jahre Strafverteidigungspraxis in Deutschland gewachsen ist. Konkret bedeutet das (selbstverständlich in vollständig anonymisierter Form, ohne irgendeinen Mandatsbezug):
- Verteidigungsstrategien und ihre tatsächliche Wirkung im jeweiligen Verfahrenstyp
- Verhaltensmuster von Polizei, Staatsanwaltschaft und einzelnen Tatgerichten
- Vernehmungstaktik – was wird wirklich gefragt, in welcher Reihenfolge, mit welcher Stoßrichtung
- Einlassungen – wann sie helfen, wann sie schaden, wann Schweigen klüger ist
- Einstellungspraxis nach §§ 153, 153a, 154 StPO – welche Verfahren tatsächlich gehen, welche nicht
- Rechtsmittelwirkung – welche Berufung lohnt sich, welche Revision hat realistische Chancen
Diese Erfahrung ist nicht in Lehrbüchern dokumentiert. Sie steht in Handakten, Hauptverhandlungsprotokollen und im Kopf eines Verteidigers, der jede Woche vor Gericht steht. Wir haben sie strukturiert, anonymisiert und in den Wissensgraphen der KI eingespielt.
Warum das einen Unterschied macht
Ein Beispiel. Sie fragen ChatGPT: “Mir wird Diebstahl nach § 242 StGB vorgeworfen, ich habe noch nichts gesagt. Soll ich aussagen?” Sie bekommen eine generische Antwort: Recht auf Schweigen, Anwalt einschalten, keine voreiligen Aussagen.
Das ist nicht falsch. Aber es ist das, was im ersten Semester unterrichtet wird.
Sie fragen BLA dieselbe Frage. Sie bekommen zusätzlich:
- Den Wortlaut von § 242 StGB plus die einschlägige BGH-Rechtsprechung mit echtem Aktenzeichen.
- Die typische Verfahrensentwicklung bei einfachem Diebstahl: Ermittlungsverfahren, Strafbefehl, Einstellung nach § 153a StPO bei Erstauffälligkeit – mit konkreten Auflagenhöhen, die in der Praxis tatsächlich verhängt werden.
- Den Hinweis, was eine Einlassung in genau dieser Konstellation bewirkt – meistens nichts Gutes.
- Die Angabe, ab welcher Schadenshöhe die Einstellung schwieriger wird.
- Eine Einordnung, ob die Vorladung als “Beschuldigter” oder “Zeuge” eine andere Strategie nahelegt.
Das ist kein Lehrbuchwissen. Das ist Praxiswissen, das normalerweise nur Verteidiger haben, die selbst seit Jahren vor demselben Schöffengericht stehen.
Wie das technisch funktioniert
Unter der KI liegt ein Hypergraph-Wissensgraph in Kùzu, kombiniert mit semantischer Vektorsuche in LEANN und einem eigens trainierten neuronalen Netz für die juristische Sprachverarbeitung. Jeder Paragraph, jede BGH-Entscheidung, jeder dogmatische Begriff ist ein eigenständiger Knoten; die Verbindungen zwischen ihnen sind explizit modelliert, nicht in Modellgewichte verschwommen.
Praktische Folge: Wenn die KI etwas sagt, kann sie zeigen, woher sie es hat – ein Paragraph, eine Entscheidung, ein Kommentar. Wenn sie etwas nicht weiß, sagt sie das, statt sich plausibel klingenden Unsinn auszudenken. Halluzinationen sind in der Strafverteidigung keine Charme-Eigenschaft; sie sind ein Risiko.
Wer die KI gebaut hat – und warum das relevant ist
Ich bin Rechtsanwalt seit 18 Jahren, davon den Großteil im Strafrecht. Ich habe BLA nicht gebaut, weil ich KI für eine spannende Technik halte (das tue ich, aber das wäre ein schlechter Grund), sondern weil ich oft erlebt habe, was passiert, wenn Menschen ohne irgendeine Orientierung in ein Strafverfahren geraten: Sie sagen das Falsche, sie unterschreiben das Falsche, sie unterschätzen den Vorwurf, sie überschätzen den Vorwurf. Und sie bekommen keine Hilfe, weil eine Erstberatung für viele eine echte finanzielle Hürde ist.
BLA ist der Versuch, diese Hürde zu beseitigen – mit der Erfahrung einer Kanzlei und der Skalierbarkeit einer KI. Kostenlos im Kern, anwaltlich verantwortet, mit einem Akteneinsicht-Service für 89 € als nächster Stufe für die, die mehr brauchen.
Und ja, die KI lernt weiter – jeden Tag. Aus Gesetzesänderungen, neuer Rechtsprechung, und aus den Fragen, die Sie stellen.